|

Linde Niemeyer
Die Literatur hat mir das Leben gerettet. Klingt zu pathetisch? Ist aber die Wahrheit.
Eine Kindheit in einem katholischen Dorf in Westfalen in den fünfziger Jahren hätte ich ohne Bücher nicht überlebt. Ich habe nachts unter der Bettdecke mit der Taschenlampe Winnetou gelesen und als er im dritten Band starb bitterlich geweint.
Die Liebe zu den Büchern ist geblieben. Noch heute schlage ich mir die Nächte um die Ohren, bin neugierig auf jede neue Geschichte. Tauche ein in fremde Welten und verliebe mich in Romanhelden.
Aktiv schreibe ich seit einigen Jahren, am liebsten kurze Betrachtungen oder Gedichte.
Mitglied beim DruckFest e.V. bin ich seit fast zehn Jahren. Momentan kümmere ich mich um die Finanzen des Vereins.
Das gemeinsame Schreiben und Besprechen der Texte in der Literaturwerkstatt finde ich sehr anregend. Es macht einfach Spaß, dabei zu sein.
Wer Lust hat mitzumachen ist herzlich eingeladen zu unserem offenen Stammtisch jeden zweiten Mittwoch im Monat in der Savanna.
Warum ich schreibe
Es lindert die Verzweiflung
hilft mir überleben
hält mich im Dialog
mit mir selbst
der Welt
und den Anderen
* * *
Wörter, Sätze, Fetzen, rasen
durch den Raum
treffen meine Ohren
sausen hindurch
verletzen
schreien
schrillen
Stimmen bohren sich
in meinen Kopf
laut
zu laut
* * *
Ich streiche über ihren Kopf
versuche sie mit Koseworten zu besänftigen
füttere sie mit Schokolade
betäube sie mit Alkohol
kaufe ihr Bücher und Blumen
singe „Heile heile Gänschen“
nehme sie in den Arm
es hilft nicht, nicht wirklich
immer noch grinst sie boshaft
hält mich in Atem
umklammert mein Herz
lähmt meine Tatkraft
verdüstert meinen Tag
die Angst
Wieder und wieder bekämpfe ich sie
und es gelingt mir auch
manchmal - aber nur manchmal
sie ist zäh und erfinderisch
verschmäht alle Bestechungsversuche
lacht mir höhnisch ins Gesicht
beherrscht meine Träume
beschert mir Albträume
die Angst
Nur was will sie diese Angst
die so unvorhersehbar und plötzlich auftaucht
wie der Nebel an einem Novemberabend
was will sie von mir?
ich werde sie zum Teufel schicken
keine Besänftigungsversuche mehr
wenn sie kommt und ich weiß, dass sie kommt
sage ich ihr, du bist willkommen,
weil du zu meinem Leben gehörst
wie das morgendliche Zähneputzen
oder du kannst auch gehen
ich habe keine Angst mehr vor dir
meine liebe Angst
* * *
Gelandet der Albatross
meine Träume haben wieder
festen Boden unter ihren Füßen
die Flügel angelegt
ruhen sie sich aus
von ihren Höhenflügen
erfreuen sich an dem Alltäglichen
Sonnenschein
buntem Herbstlaub
an Büchern und Blumen
Freunde treffen
ein Glas Rotwein trinken
meine Träume sind gelandet
sind wieder Zuhaus
©
Linde Niemeyer
|