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Autoren

Jürgen Kahl

 

Und da ist sie wieder, die Frage nach einem Anfang...

 

Wie fang ich an? Wo fängt es überhaupt an? Wann habe ich eine Affinität zum Schreiben entwickelt? Lässt sich überhaupt ein Zeitpunkt festmachen oder ist das nicht eher ein Prozess? Aber selbst bei einem Prozess, der sich stetig entwickelt, gibt es irgendwann einen Punkt, an dem man sagen kann: Hier habe ich mein erstes Werk vollbracht, hier habe ich zum ersten Mal was Geschriebenes veröffentlicht. Das war in meinem Fall eine Satire für die Schülerzeitung unseres Gymnasiums. Mein Stil war schlecht, die Wortwahl mies und trotzdem erhielt ich Applaus von allen Seiten.

 

Das machte mich süchtig, trieb mich voran und veranlasste mich zu immer weiteren Schreib-Eskapaden. Seitdem habe ich mich an weiteren Satiren, an Fantasy-, Science Fiction- und anderen Kurzgeschichten versucht und während Treffen der Literaturwerkstatt und bei Autorenstammtischen auch andere Genres, sogar Gedichte angefasst, obwohl Letztere mir gar nicht liegen und mir von daher auch sehr schwer fallen. Wenn ich schreibe, dann in der Regel, um Szenen in den Köpfen der Menschen ablaufen zu lassen.

 

Bei Stammtischen und in der Literaturwerkstatt erhalte ich viele nützliche Tipps, um mich zu verbessern und auch neue Anregungen zu finden.

 

 

Der Traum, normal zu sein

Wir hatten einen Traum. In Frieden leben, in der Großstadt, unauffällig sein, in der Menge untertauchen. Doch sie lassen uns diesen Traum nicht leben. Sie jagen uns. In Momenten wie diesen, in denen wir von Feinden umzingelt sind, bin ich manchmal fast an dem Punkt, dass ich bereue, dein Geschenk angenommen zu haben, als ich im Sterben lag.

 

Erneut entbrennt der Kampf, erneut spüre ich den metallischen Geschmack von Adrenalin auf der Zunge, als wir uns den Weg freischießen, -stechen und schlagen. Als ihre toten Körper beginnen, auszukühlen, holen wir das Benzin und machen der Sache ein Ende. Drei der zwölf Clans können noch versuchen, unsere Liebe und unser ganzes Dasein zu zerstören. Sie werden alle scheitern, wie die neun davor.

 

Hinter uns brennt das Lagerhaus nieder, das uns als Unterschlupf gedient hatte. Wir sehen uns nicht um. Es ist Vergangenheit. Um von der Straße herunter zu kommen, springen wir auf ein Häuserdach. Leichtfüßig landest du neben mir. Dein Bein streift meine Schulter und ein wohliges Gefühl durchläuft meinen Körper. In Momenten wie diesen bin ich froh, dass ich dein Geschenk angenommen habe. Wir schauen in die Ferne. Was wird die Zukunft bringen?

 

Sie werden uns weiter jagen. Wir werden weiter kämpfen. Ich schaue zu dir hoch, sehe, wie sich deine Silhouette vor dem fahlen Licht des Vollmondes abzeichnet. In deinem grimmigen Gesichtsausdruck erkenne ich, dass du nicht aufgeben wirst. Wir stehen noch eine Weile auf dem Häuserdach, blicken schweigend auf die schlafende Stadt. Wir brauchen keine Worte, um uns zu verstehen. Denn wir sind anders. Wir sind Wesen der Nacht.

 

© Jürgen Kahl


 
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