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Autoren

Daniela Huch-Focks

 

Jahrgang 1976.

 

Verglichen mit den meisten Autoren schreibe ich seit vorgestern. Um ganz genau zu sein seit Ende 2007, mit dem Einstieg in meine erste Literaturwerkstatt. Zehn Jahre lang habe ich Kopfbücher geschrieben, die nie den Weg aufs Papier fanden. Erst nachdem ich meinen ersten Text getippt und ausgedruckt hatte, habe ich mein Allheilmittel gefunden, mein Ventil, meinen Ausgleich, meine Leidenschaft.

 

Angelehnt ans Schreiben ist der Poetry Slam das perfekte Hobby. Seit einem Jahr nun organisiere ich zusammen mit Willfried Althoff, Angela Thyßen und Christoph Nagelschmidt den Slam in Rheine im Tholi. Immer wieder interessant, wer sich auf unserer Bühne einfindet und wie viel Potential in vielen der vorgetragenen Texte steckt, die wahrscheinlich ohne Slam niemals den Weg zum Publikum gefunden hätten und einfach in der Schublade versauert wären.

 

Neben dem Schreiben bin ich verheiratet und Mutter zweier Töchter. Ich arbeite als Theaterpädagogin und Erzieherin.



Das Jetzt hat eine Chance

Heute war gestern morgen und ist morgen gestern und da bleibt wenig Zeit für das Jetzt, das gleich eben sein wird und eben gleich war. So, und schon ist es wieder vorbei, ein eben, und gleich wird es sogar ein heute Vormittag sein und heute Abend, ein heute morgen und morgen wieder ein gestern, obwohl es doch jetzt ist oder heute oder – schwupps - wieder ein eben, ohne Bedeutung. Für mein Leben. Oder doch nicht? Säße ich jetzt nicht hier, oder hätte ich eben nicht hier gesessen, wäre ich woanders, täte etwas anderes. Und es ist so schwer über das Tun im Jetzt zu schreiben, da es schon wieder ein eben ist und ich nicht über das, was war, schreiben möchte, sondern über das, was ist, und so erweitere ich den Zeitraum um den Tag an sich, also um das Heute: Wäre ich heute Morgen zu einem anderen Zeitpunkt aufgewacht, wäre der Tag ein anderer gewesen, als der, der er jetzt ist oder eben war oder heute noch sein wird. Hätte! Hätte als Chance für das nächste Jetzt oder das Morgen. Ein „Hätte“ zu nutzen, als wäre es der nächste Versuch. Zu leben! Während ich die Liste aufsetze, auf der ich festhalte, was ich lebenswert finde oder wann ich mich lebendig fühle, fühle ich die Zeit, die ich verschwende anstatt sie zu schützen. Dauert zu lange. Ohne Liste ziellos, jagt ein Jetzt schon wieder das Eben.

Der Tag ist ein Sein und das vierundzwanzig Stunden lang. Und für jede Stunde geht der schwere lange Zeiger sechzig Mal an der Zwölf vorbei. Genug Zeit, so mutet es an. Sechzig Mal vierundzwanzig Zeit zu leben an einem Tag und sechzig Mal in der Minute ein Jetzt. Jedes Jetzt direkt ein Eben und verschwunden in den Eben des Tages und vergessen, da der Mensch das vergisst, was er mal eben tut.

Die Erinnerung legt sich wie ein Hund dorthin, wo sie will, heißt es. Die Dinge, die nicht vergessen werden, sind die, die nicht alltäglich sind, bewusst durchgeführt werden, und nach langem kramen, von einem Heute zu einem Gestern, bestätige ich diese Theorie. Einmal im Rückwärtsgang die Straße entlang, das Gehäuse aus dem Apfel essen, den Chef mit „Tschüss“ begrüßen, ins Waschbecken pissen oder hundert Euro Trinkgeld geben. Dieses Eben, Gestern, Letztens, wird im Gedächtnis bleiben, mit Datum, Uhrzeit und in Farbe.

Es gibt eine Chance!

© Daniela Huch-Focks


 
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