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Achim Leufker
Mein Name „heißt“ Achim Leufker und alles begann im Geburtsjahr 1961 mit der enttäuschenden Feststellung, dass ich kein Instrument spielen, nicht singen, und nur unzureichend würde zeichnen können. Auch was das Schreiben selbst anging, war ich bis zur Einschulung ein unbeschriebenes Blatt. Da ich während der Schulzeit oft in der Tinte saß, musste ich mir so einiges hinter die Ohren schreiben. Als ich genug Denkzettel erhalten hatte, beschloss ich, das Heft selbst in die Hand zu nehmen und so entstanden in meiner Geburts-, Heimat- und Wohnstadt Rheine erste kleine Geschichten. Als dann noch jemand behauptete „Reden sei Silber und Schreiben sei Gold!“, war das für mich die Initialzündung – ich wollte mehr und vor allem wollte ich es schwarz auf weiß.
Die Zettelwirtschaft, die sich so ansammelte und der Schreibstil, der sich entwickelte, sprachen Bände, so dass ich unbedingt auch darüber sprechen wollte. Auf diesem Wege kamen gleich ein paar Reden für die Bütt zu Stande. Ich machte mir Notizen von Begebenheiten, von denen ich Notiz genommen hatte. Ich wollte dabei einfach vom Leben abschreiben oder zu Papier bringen, was die Zeit diktieren würde. Doch mir fehlten die Worte, und ich wollte mich dafür am Alphabet rächen. Darüber könnte ich heute Romane schreiben. Glücklicherweise bekam ich in dieser Phase den Tipp, dass das Schreiben leichter fiele, wenn man einfach die falschen Wörter weg lässt und dass letztlich ein Papierkorb wichtiger sei als das Papier. Die Erleichterung stand mir sofort ins Gesicht geschrieben und Schreiben wurde zu einer schönen Art, meine Zeit zu verschwenden, es ist, wie antworten, ohne gefragt zu sein, wie Fotos machen mit dem Kugelschreiber (mit dem Handy geht´s ja bereits).
Zudem soll eine Stunde Schreiben genau so gesund sein, wie vier Stunden Nordic-Walking und sieht nur halb so lächerlich aus. Da mir allerdings zu Ohren kam, es würde vor allem nicht zu viel geschrieben, sondern eher zu viel veröffentlich, habe ich mich diesbezüglich – obwohl Papier geduldig ist – respektvoll zurück gehalten… bislang…
Eine schwere
Entscheidung
Da sitze ich also an einem mehr als verregneten Abend zu Hause und soll einen exemplarischen Text für diese Homepage zur Verfügung stellen. Ein echtes Problem, wie sich heraus stellt, da ich mich einfach nicht für einen spezifischen Text entscheiden kann. Vielleicht sollte ich aus diesem Grund einen Text wählen, der sich mit dem Thema „Entscheidungen“ befasst. Nachdem mir nun einfach nichts im Entferntesten Literarisches einfallen will, gehe ich nach dem Ausschluss-Prinzip vor und frage mich: „In welchem Zusammenhang sind dir eigentlich in deinem Leben Entscheidungen besonders schwer gefallen?“ Die Antwort kommt mir ohne Umschweife in den Sinn: „Speisekarten!“… Strike…!!
Das ist es: Ich kann mich beim Studieren einer Speisekarte einfach nicht für ein Gericht entscheiden. Meist bin ich schon beim vierten oder fünften Getränk und meine Begleitung inzwischen längst zu Hause, bevor meine Wahl auf eine geeignete Speisefolge fällt. Woran das liegt? Nun, ich mag einfach alles sehr gerne…
OK, das stimmt natürlich nicht. Die Wahrheit ist, meine Entscheidungsunfähigkeit liegt in meinem mangelnden
Verständnis für – oder besser Verstehen von Speisekarten begründet.
Wenn beispielsweise in der Speisekarte ein „knackiger“ Salat mit „saftigem Filet“ und „frischen Champignons“ angeboten werden, bin ich sofort extrem verunsichert. Ich frage mich, warum es so besonders betont wird, wenn etwas „knackig, saftig und frisch“ ist. Handelt es sich womöglich um eine saisonale Ausnahme? Was wäre, wenn diese Adjektive fehlten? Wären die Gerichte dann etwa eher „labbrig, trocken und alt?“ Fragen über Fragen.
Auch meine Speisekarten-Vokabel-Kenntnisse lassen zu wünschen übrig und machen die Auswahl nicht leichter. Wenn ich statt der „Consommé“ versehentlich eine „Kraftbrühe“ und statt des szenetauglichen „Pignot Grigio“ doch nur den „Grauburgunder“ wähle, lässt der naserümpfende Blick, des Kellners zwar ahnen, dass er nicht zu wissen scheint, dass es sich jeweils um das Selbe handelt, aber mein Selbstbewusstsein schrumpft dennoch auf die Größe der zu erwartenden Portionen.
Der Supergau für mich aber sind die
„Präpositions-Menüs“, wie ich sie getauft habe. Da gibt es „Lammkottletts
auf oder in „Bärlauchpesto“ und „grünes Tomatenragout“
über „Wildentenbrust“. Warum, um alles in der Welt bekomme ich nicht einfach nur ein Essen
mit irgendetwas? Ich will schlicht und ergreifend nicht wissen,
wie die Speisen auf dem Teller angeordnet sind und vor allem möchte ich nicht, dass das Menü besser
klingt, als es schmeckt!
Völlig aus dem Konzept und aus dem Prozess der Entscheidungsfindung werfen mich aber die Speisen, die mit der Präposition „an“ gereicht werden. Da gibt es „gebratene Gänsestopfleber“
an „Estragonbutter und Zitronengras“. Ich meine „an“? Was kann ich denn da wohl noch
an weiteren Leckereien bestellen? Chop an Suey? Holzfäller
an Topf! Schamp an ja? Ko an tro? Chi
an ti? Oder gar Kirk an Enterprise?
„Gänsestopfleber an Zitronengras… Gänsestopfleber an Zitronengras…!“
„Gänsestopfleber, bitte halten Sie Funkdisziplin…!“
In diesem Zusammenhang fällt übrigens auf, dass viele edle Menüs ohnehin sehr
kommunikativ daher kommen. Insbesondere wenn zu einem
Dialog von peruanischen Waldpilzen mit Balsamikoschaum und einem mittel-alten Käse aus der „Bedrouille“ ein einzigartig
korrespondierender 1999er Chateau Latour kredenzt wird.
Und langsam träume ich zum ersten Mal von McDonalds oder dem Restaurant zur goldenen Möwe, wie es im Volksmund gerne genannt wird. Da ist alles sooo einfach…! Die einzige Frage, die einem hier gestellt wird, ist: mitnehmen oder dort essen.
Und dann sind da noch die in Speisekarten üblichen
Wortschöpfungen. Sie sind aus einer anderen Welt, spielen schlicht in einer anderen Liga und ich wäre stolz, wenn diese Sprachgewalt mir bei einem meiner nächsten Texte zuteil würde.
Man denke nur an „Dosenfrüchtespiegel“ – wahrscheinlich etwas für die etwas
eitleren Gäste. Oder den gebeizten Lachs für den erfolgreichen
Schreinermeister. Auf die Schickeria wartet hier der
Edelkrebs. Der Vogelkundler labt sich an exotischen Früchten im
Apfelkraut-Nest. Und selbst Hape Kerkeling freut sich auf
gedünstete Jakobsmuscheln, ohne von seinem Weg abzukommen.
Tja, und ich? Ich habe das vorgegebene Thema doch noch bewältigt und werde es darüber hinaus machen wie immer: ich entscheide mich für eine
ziehende Hechtsuppe und danach für einen japanischen
Bandsalat von TDK am Butterberg. Die Brühwürfel sind gefallen… Mahlzeit!
© Achim Leufker
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